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pink WIE DIE höLLE
Zeitschrift Umělec
Jahrgang 2007, 2
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pink WIE DIE höLLE

Zeitschrift Umělec 2007/2

01.02.2007

Marisol Rodríguez | zu pink | en cs de es

Dieser Text war ursprünglich ein Brief, den ich an Ivan Mecl geschrieben habe – etwa eine Stunde nach dem Besuch von “Pink Not Dead!”, einer kollektiven Ausstellung, konzipiert von dem in Mexiko-Stadt etablierten, polnischen Künstler Maurycy Gomuliki. Der Brief datiert vom 17. Januar 2006, 22:44h.

„Ich war gerade in der Ausstellung von Maurycy und Maurycys Freunden, und es war fürchterlich. Aber bevor ich Näheres dazu sage, muss ich zugeben, dass das Ganze irgendwie auch erstaunlich attraktiv war – und knifflig; die Galerie war völlig in Pink gestrichen, und der Fußboden war mit funkelndem, pinkfarbenen Staub bedeckt; es war also wirklich nett, süß, kitschig, pink! Alles war pink, Massen von Dingen; eine echt große Ausstellung in einer respektablen Galerie namens Garash.
ABER: Wo war das Konzept, die Idee oder das, was auch immer diese Ausstellung inspiriert hatte? Davon abgesehen, dass alles pink war – und ich hoffe, die dachten nicht, dass dies das Konzept war – gab es da irgendetwas anderes, das man intelligent und humorvoll mit den gleichen Objekten hätte sagen können?
Ich habe das Blatt gelesen, auf dem es einen Text von Maurycy über die Ausstellung gab. Interessanterweise konnte einem das gleiche Blatt auch als Begleitführer beim Wandern durch die Galerie dienen und dabei helfen, jeglichen Hinweis auf ein Konzept zu widerlegen und außerdem die Veranstalter für die erstaunlich geringe Kenntnis elementarer Theorie über, sagen wir, die Ästhetik des Krieges, zu bemitleiden.
Um mal konkreter zu werden: eines von Maurycys Stücken war ein geschuppter Panzer, selbstverständlich pink angemalt und dann in einer lichtdurchlässigen Blase platziert, die wiederum mit sandartigen, kleinen pinkfarbenen Kügelchen ausgefüllt war. Ich konnte keine direkte Erklärung oder auch nur den Hauch einer Argumentation über IRGENDWELCHE von den Stücken darin finden. Die Ausstellung hatte komischerweise mehrere Kuratoren, aber Gott weiß, was die überhaupt machten. Ich bin mir nicht sicher, ob das vielleicht MEIN Fehler ist, aber ich dachte, dass es eine der Funktionen eines Kurators ist, die Arbeit der Künstler der Öffentlichkeit zu präsentieren und sie nicht einfach nur zusammenzustellen, als ob wir es mit hübschen, bunten Spielsachen zu tun hätten.
Aber da gibt’s noch etwas, dass ich der Fairness halber wohl sagen muss. Die meisten Menschen gingen wie verzaubert da raus; ok, ich hab’ auch welche gesehen, die ziemlich angepisst schienen und keinen Schimmer hatten, was sie da gerade gesehen hatten, aber ich glaube, dass ein hoher prozentualer Anteil der Besucher, die da raus kamen, richtig begeistert waren, begeistert von dem pinkfarbenen Klischee; Besucher, die diese fast romantisch anmutende Erfahrung entzückt annahmen.
Aber lass’ mich noch mal auf dieses pinkfarbene Blatt zurückkommen; dieses Blatt, das sehr ineffektiv versuchte, die Motivation für die Show zu erläutern. Die Prämisse war ungefähr so: Schwarz und Grau sind maskuline und stereotypisierte Farben, historisch und weltweit; also haben sie sich alle entschlossen – d.h. die Künstler, die Konnotation von Pink als Farbe, als oberflächlich, schmalzig, und fast ausschließlich feminin und schwul, neu zu interpretieren und zu verändern.
Sie versuchen das, indem sie uns andere Stereotypen in Pink zeigen – und es ist klar, dass sie die Ironie nicht bemerkt haben – zum Beispiel: MASSEN von pinkfarbenen Vaginas – abstrakt nennen sie das, aber vorhersehbar und so langweilig wie ein Horrorstreifen im Fernsehen; eine große Zahl pinkfarbener Mädchen, pinkfarbener, japanischer Mädchen, die natürlich über Sex reden, denn über was reden japanische Mädchen denn sonst; pinkfarbenes Spielzeug, pinkfarbene Blumen; pinkfarbene Blumen, die mit Sperma bedeckt sind; pinkfarbene Hakenkreuze – schon mal gehört? Ist ja soooooo originell… (ist es denn so schwer, mal ein Kapitel eines beliebigen Buches über zeitgenössische Ästhetik zu lesen und etwas, irgendetwas!, darüber zu schreiben, damit die Menschen wenigstens denken, dass man sich Mühe gegeben hat?). Tja… was kann man noch sagen? Hast Du all die Sponsoren gesehen? Die hatten sogar pinkfarbenen Tequila!
Also, war die Ausstellung fürchterlich? Nein, sie hatte eine immense, visuelle Wirkung, und ich habe mich sehr gut dabei amüsiert, die kleinen Spielsachen und die gestreiften, pinkfarbenen Wände anzuschauen.
Waren die Ausstellungsstücke bedeutungslos und wertlos? Na ja, die Stücke WÄREN wertvoll, wenn sie denn in einen gut analysierten Kontext gestellt würden und wenn DIE KÜNSTLER SELBST verstehen würden, wie ihre Arbeiten als Symbole wirken; doch in DEM Kontext und mit DER lahmen und widerlegbaren Erklärung waren sie in der Tat wertlos. Hübsch anzuschauen, aber das war’s auch.
Was ist wichtiger? Ein glückliches Publikum zu haben, das einen Scheiß versteht, aber von der visuellen Wirkung deiner Ausstellung verzaubert ist? Oder ein amüsiertes Publikum zu haben, das von der visuellen Wirkung deiner Ausstellung verzaubert ist, das aber AUCH das GUT KONSTRUIERTE Konzept und die Bedeutung von dem, was du mitteilen willst, begreift?
Ich würde lieber begreifen, denn ich kann auch in den Supermarkt gehen, um hübsche Plastikobjekte zu sehen. Da brauch’ ich keine Galerie, und keinen Kurator, um mir das zu zeigen.

Nur am Rande… Maurycy hatte den seltsamsten Anzug an, den man sich vorstellen kann. Fast außerirdisch… er sah aus wie… als ob er gerade dabei war, Kühe auf seiner Farm oben in den Bergen zu melken, dann aber seinen besten, selbst gemachten pinkfarbenen Anzug genommen hat, um in eine Partynacht im angesagtesten schwulen Club der Stadt einzutauchen.

Das ist meine Version, viel Spaß damit.
Mit besten Grüßen,
Marisol.









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